Gisa marburg.de
Systemische/r Elternberater/in 2020/21

Entwicklungspsychologische und systemisch-lösungsorientierte Beratung von Eltern in Settings der Kinder- und Jugendhilfe und der Kindertagesbetreuung

Zielgruppen: pädagogisches Personal aus Kindertageseinrichtungen und Krippen sowie der Kinder- und Jugendhilfe

Die Weiterbildung zum/zur Systemischen Elternberater/in reagiert auf das sich verändernde Arbeitsfeld und Anforderungsspektrum für pädagogische Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe und in Kindertageseinrichtungen.
Die Etablierung von präventiv orientierten Bildungs- und Erziehungspartnerschaften zwischen Eltern und Fachkräften einerseits und den gestärkten Elternrechten andererseits benötigt niedrigschwellige Zugangswege und achtsame, beraterisch geschulte Mitarbeitende, um den situativen Herausforderungen von Beratungsprozessen gerecht werden zu können.
In der Kinder- und Jugendhilfe sowie in der Kindertagesbetreuung liegt ein enormes Potenzial und eine sehr gute Voraussetzung für die Beratung und Förderung von Eltern bei Erziehungsfragen. Die Chance intensiver Kooperation liegt in der Zusammenführung von Wissen über die jeweils andere Lebenswelt des Kindes.
Im Zentrum steht dabei die systemisch ausgerichtete Beratung und Unterstützung von Familien und Eltern bei Erziehungsfragen, bei Übergängen von einer Lebensphase in die andere sowie bei besonderen Lebenslagen und Belastungssituationen. Ausgelöst durch die bewusste Begleitung der Familien in herausfordernden Lebensphasen werden vielfältige kommunikative Anlässe gefördert. Dabei sind verschiedenste Konstellationen von Elternkontakten denkbar: gehaltener Informationsfluss, Förderung der Entwicklung der Erziehungskompetenzen der Eltern, Konfliktbearbeitung bis zu begleitetem Umgang. Die Anforderungen an die beraterische Kompetenz in einer systemischen Haltung sind vielfältig und herausfordernd und benötigen anwendbares Handwerkzeug für die Praxis.

Inhalte, Ziele und Modulübersicht:
Die Ablaufpläne der Referent/innen der GISA Marburg stellen einen groben Orientierungsplan dar. Im Fokus der Kursleitung stehen die individuelle Orientierung an der Lerngruppe, Prozessorientierung unter Berücksichtigung der Vorkenntnisse aktueller Bedarfe und gruppendynamischer Interaktionen sowie die inhaltliche Ausrichtung am Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0-10 Jahren.
Zudem werden Übungen und Spiele situationsangemessen und zeitorientiert eingesetzt. Gleichzeitig obliegt dem Referenten die Gesamtverantwortung für die Durchführung des Seminars und somit für die Vermittlung von Inhalten und Kompetenzen, wie sie in der Ausschreibung des Seminars angegeben sind. Die Verantwortung für die Übertragung des Gelernten in die Praxis wiederum tragen die Teilnehmenden als selbstbestimmte Personen für sich selbst. Die GISA betrachtet das Ziel ihres Angebots in der Schaffung einer bestmöglichen Lerngelegenheit und einer Atmosphäre, in der gelungenes Lernen ermöglicht wird. Näheres dazu finden Sie in unserem Leitbild unter www.gisa-marburg.de
Die Vorausetzung für den Erhalt des GISA-Zertifikats „Systemische Elternberater/in“ ist die Teilnahme an den fünf Modulen sowie einem Reflexionstag mit Abschlussprüfung.

1. Modul: Grundlagen der systemischen Beratung (3 Tage)

  • Einführung in den systemischen Ansatz
  • Ziele finden und Zielvereinbarungen treffen
  • Erarbeitung familiensystemischer Grundlagen
  • Familie als System mit seinen Subsystemen, Entwicklungsphasen von Familien
  • Analyse- und Diagnoseinstrumente in der Anwendung mit Familien, z. B. Genogramm, Family Map, Familienkreise etc.
  • Haltung gegenüber Familien
  • Selbstreflexion der eigenes Familiensystems

2. Modul: Systemisch-lösungsorientierte Beratung von Familien (2 Tage)

  • Grundlagen des lösungs- und ressourcenorientierten Ansatzes nach Steve de Shazer/Insoo Kim Berg
  • Gesprächsführung mit Familien
  • Gesprächsphasen
  • Gesprächsführung annehmen und beibehalten
  • Rollen von Kindern in Familien
  • Ressourcen erkunden und nutzen
  • Methoden der Gesprächsführung, zirkuläre Fragen

3. Modul: Entwicklungspsychologie und Beobachtung (2 Tage)

  • Entwicklungstheoretische Grundlagen – Aktueller Stand des wissenschaftlichen Diskurses
  • Bindungstheoretische Aspekte (Bowlby, Ainsworth)
  • Bindungs-/Erkundungsverhalten, Bindungsqualität, Einflussfaktoren, Implikationen
  • Dimensionen von Entwicklung: Lernen lernen, Soziale Kompetenz, Emotionale Entwicklung
  • Entwicklungseinflüsse (Projektive und Risikofaktoren)
  • Entwicklungsbeobachtung (Grundlagen und Haltung

4. Modul: Vertiefung systemischen Arbeitens und Umgang mit Widerstand (3 Tage)

  • Lösungsorientierte Interventionen, lösungsorientiertes Arbeiten mit KindernProfessionelle Gesprächsgestaltung
  • Stillstand im Beratungsprozess
  • Grenzen der Elternberatung
  • Die eigene Rolle im Umgang mit Widerstand annehmen
  • Nicht-Helfen und Loslassen können
  • Deeskalation von Differenzen und Konflikten

5. Modul: Rollenklarheit und Ausblick (3 Tage)

Selbstreflexion der neuen Rolle

  • Sicherheit gewinnen und verankern (z. B. inneres Team, innere Bilder)
  • Eigenen Rahmen definieren, Grenzen ausloten
  • Eigene Rolle im Team
  • Phasen der Gruppenentwicklung und Gruppendynamik
  • Reflexion aktueller Beratungssituationen z. B. durch reflecting team, kollegiale Beratung

Reflexionstag (1 Tag)

Methoden:

Theorieinput, Einzel- und Gruppenarbeit, moderierter Erfahrungsaustausch, kollegiale Beratung, Fallarbeit, kreative Übungen, Lernprojekte, Erarbeitung von Materialien

Materialien:

Für das Seminar erhalten die Teilnehmenden ein Handout der theoretischen Inhalte sowie schriftliche Übungseinheiten und Arbeitsaufträge. Die Lernenden erhalten eine Teilnahmebescheinigung sowie ein Zertifikat bei bestandener Prüfung

Evaluation:

Das Seminar wird schriftlich und in der Lerngruppe evaluiert. Die Teilnehmenden werden zu konstruktiv-kritischer Auseinandersetzung mit den Lerninhalten und der/dem Referent/in angeregt.

Lernvoraussetzungen:

Bereitschaft, sich aktiv in Prozesse einzubringen, Bereitschaft zur Selbstreflexion, Bereitschaft zur Reflexion des Alltags, positive Einstellung gegenüber Eltern und Familien sowie ihren Bedürfnissen